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Jeder erzeugt eigenen Strom?

Wollen wir beim Strom nicht unabhängig von anderen sein ?

Das klingt ideal und auch ganz romantisch. Jeder sorgt für sich und braucht niemand sonst. Die Realität ist aber anders. Wir brauchen immer Strom und nicht nur, wenn gerade Wind weht. Wir brauchen auch zu bestimmten Tageszeiten ganz viel Strom, auch wenn gerade nur wenig Wind herrscht. Wir brauchen eine stabile Strommenge, das geht nur im Verbund, ganz egal, ob bei uns Windräder stehen oder nicht.

Im einzelnen:

  1. Es gibt kein Rheingauer oder gar Eltviller Stromnetz, sondern nur ein europaweites, in das auch Windräder im Rheingau ihren Strom einspeisen würden. Viel bei Wind, keinen bei Windstille.
     

  2. Ein Stromnetz muss immer eine gewisse Spannung "halten". Wenn mehr Strom von den Verbrauchern abgerufen wird, muss die Spannung durch entsprechende Einspeisung sofort ausgeglichen werden.
     

  3. Windräder erzeugen sehr unregelmäßig und unabhängig von den Bedarfsspitzen ihren Strom stoßweise dann, wenn der Wind gerade weht. Man kann also nicht die Strommengen aus den windreichen Zeiten einfach auf das Jahr hochrechnen, das ist wirklichkeitsfremd.
     

  4. Zur Sicherung der "Grundlast" der Netze müssen beim Betrieb von Windrädern schmutzige Kohle- und Gaskraftwerke zu- und wieder abgeschaltet werden, was möglich ist, weil diese relativ schnell hoch und runter gefahren werden können. Die Kraftwerke arbeiten dadurch aber nicht mehr in ihrem optimalen Wirkungsbereich, sondern schleudern enorme Mengen Schadstoffe aus, und zwar deutlich mehr als bei einem Dauerbetrieb. Dieses ständige An- und Abschalten verbraucht enorm Energie und ist alles andere als umweltfreudlich. Zudem verteuert es den Strom für die Bürger.
     

  5. Bei Windphasen führt die Stromeinspeisung von Windrädern regelmäßig zu Überspannungen im Netz. Der überschüssige Windstrom wird dann gratis in ausländische Netze gepresst, was dort wiederum zur Gefahr von Netz-Zusammenbrüchen führt. Polen hat vor kurzem gegen den deutschen Windstrom "Stromsperren" eingerichtet, man will dort den deutschen Strom nicht, weil er die eigenen Netze schädigt.
     

  6. Investoren steigen vermehrt aus Windprojekten aus, weil sich die zugrunde gelegten Daten - Stromausbeute und insbesondere auch die angesetzte Lebensdauer der Anlagen und deren Wartungskosten - als zu optimistisch veranschlagt und im Betrieb nicht mehr realisierbar erweisen.


Eine sicher sehr vereinfachende Aussage, aber sie trifft den Kern: Nicht jeder, der Milch trinken will, braucht auch eine eigene Kuh.