offener Brief vom 28.10.2026 - an die Damen und Herren Stadtverordneten und Magistratsmitglieder von Oestrich-Winkel
Windräder in Oestrich-Winkeler Gemarkung
Sehr geehrte Frau Stadtverordnete,
sehr geehrter Herr Stadtverordneter,
Sie entscheiden am 02.11.2026 über die Zukunft des Rheingaus: bleibt er eine der lieblichsten Landschaften Deutschlands oder wird er von 250m hohen Windrädern entstellt.
Es geht um das „Interessenbekundungsverfahren“, mit dem abgefragt wird, welcher Investor Windräder in unseren Wald bauen möchte. Das Verfahren wird keine neuen Erkenntnisse bringen:
Kein Investor wird Ihnen sagen, wieviel Wald gerodet werden muss und wie die Waldwege verbreitert werden müssen. Es ist bereits bekannt: pro Windrad müssen rund 10.000 m. Wald gerodet werden, alle Zufahrten werden auf mindestens 5 Meter verbreitert, die Kurven massiv ausgebaut und alles mit einem Meter Schotter belegt, damit die bis 100 Tonnen schweren Bauteile transportiert werden können.
Im Interessenbekundungsverfahren werden Sie nur die Namen möglicher Investoren erfahren. Pachtpreise, Baubeginn und Ähnliches werden erst genannt, wenn der Zuschlag erteilt ist, weil sich die Rahmenbedingungen stetig ver.ndern.
Sie werden also durch das Interessenbekundungsverfahren nicht schlauer. Es ist vielmehr der Versuch, Sie mit „schrägen“ Fakten und der Erklärung, es werde ja noch nichts entschieden, auf Ihr JA zu Windrädern in unserem Wald einzustimmen.
- Nur wer Windräder bauen will, braucht ein Interessenbekundungsverfahren. Wer Interessenten abfragt, will auch bauen.
- Die Erfahrung zeigt: bis zum Baubeginn dauert es vielleicht fünf Jahre, bei Klageverfahren noch viel länger.
- Es sind nicht Kahlflächen, auf denen die Windräder stehen sollen, sondern wertvoller Altbestand oder gerade in der Wiederaufforstung befindliche Flächen, alles wichtige Kohlenstoffspeicher
- Die vom Bürgermeister erhofften „hohen sechsstelligen Eurobeträge“ sind reine Träumerei.
In Eltville wird aktuell von einem Netto-Erlös von 20.000 € pro Windrad gesprochen, weil man die Entsorgungskosten, die sich pro Windrad auf mehr als 1 Million € belaufen, einbeziehen muss.
Nach 25 Jahren sind die Windräder abzubauen, das ist eigentlich Sache des Betreibers. Die Erfahrungen zeigen, dass die Betreibergesellschaft h.ufig pleite ist, also bleiben die Kosten an der Gemeinde hängen.
- Es ist genügend alternative Energie im Rheingau-Taunus-Kreis vorhanden. Nach einer Berechnung der Kreisverwaltung vom 19.12.2024 decken die bereits bestehenden und fest geplanten Windräder und Solaranlagen 118% des Bedarfes im Landkreis.
Windkraft da, wo sie hinpasst.
Windräder passen nicht in den Rheingau, sie zerstören das einmalige Landschaftsbild - Windkraft taugt auch nicht zur Konsolidierung des städtischen Haushaltes, dazu sind die Erträge viel zu gering und sie kommen allenfalls in ein paar Jahren.
Aber vor allem: hieß es nicht immer, Windräder seien gut für die Umwelt ? Heute geht es nur noch ums Geld. Unser Wald ist aber nicht verkäuflich.
Unsere Bürgerinitiative hat ein Memorandum erstellt, in dem alle Aspekte zu Windrädern dargelegt sind; Sie finden es in der Anlage.
Bitte sehen Sie es sorgfältig durch und nehmen Sie die Argumente in Ihre Entscheidung mit auf.
Bitte beachten Sie auch den beigefügten FAZ-Artikel, der aufzeigt, dass die mit der Errichtung von Windrädern erhofften Einnahmen oftmals nicht realisiert werden können bzw. auch Vereinbarungen nachträglich abgeändert werden können.
Für den kommenden Montag bitten wir Sie:
Stimmen Sie für den Erhalt der Rheingauer Kulturlandschaft.
Stimmen Sie gegen die Einleitung eines Interessenbekundungsverfahrens.
Helfen Sie mit, unsere Natur für unsere Kinder und Enkel halbwegs intakt zu erhalten.
Ihre Bürgerinitiative
Pro Kulturlandschaft Rheingau e.V.
Mit freundlichen Grüßen
Gerhard Gänsler
1. Vorsitzender
Anlage: Memorandum



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